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Bimsabbau im Wandel der Zeit: 1968-1978

Artikelserie von Dr. Hildegard Brog

Spezialist für Betontechnologie, für Hydraulik, Mechanik und Elektrik bei der Arbeit. Spezialist für Betontechnologie, für Hydraulik, Mechanik und Elektrik bei der Arbeit.

Politische und wirtschaftliche Verhältnisse

Der Höhepunkt des Kalten Krieges

Willy Brandt (* 1913; † 1992) 4. Bundeskanzler (1969–1974)

Willy Brandt (* 1913; † 1992) 4. Bundeskanzler (1969–1974)

Das in Berlin ausgehandelte Viermächte-Abkommen regelte den freien Zugang zu West-Berlin und erleichterte den Transitverkehr zwischen der BRD und Berlin. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges erhielt Bundeskanzler Willy Brandt für seine Ostpolitik den Friedensnobelpreis. In Rheinland-Pfalz gewann die CDU die Landtagswahlen mit absoluter Mehrheit und Helmut Kohl löste Ministerpräsident Peter Altmeier ab.

Die Vollautomation

Der Nachkriegsboom in der Bauindustrie neigte sich seinem Ende entgegen. Die Konjunkturtiefs wurden begleitet von einer erstarkenden Konkurrenz neuer Baustoffe. Steigende Frachtkosten führten zu einem Standortnachteil. 1969 wurde die erste vollautomatische Ringanlage mit Dampfhärtung in Betrieb genommen. Zwei Jahre später kam das erste automatische Abtragegerät zur Anwendung. Das Ausfahren und Verladen der Steine wurde durch die Einführung der Gabelstapler erheblich erleichtert. Bis heute werden auf solchen Anlagen die Bimsbaustoffe hergestellt. In der Ringanlage steht nur ein Mann in der Halle, der das Steuerpult überwacht. Er ist Spezialist für Betontechnologie, für Hydraulik, Mechanik und Elektrik. Vo einer Mörtelstation, wo Beton hergestellt wird, wird Mörtel in den Füllkasten der Maschine transportiert. Der Füllkasten füllt die leere Form. Die Auflast, der sogenannte Bär, setzt sich auf den frisch eingebrachten Beton und wird durch Unter-Tischvibrationen vibriert und verdichtet. Der Frischlingsstein wird über eine Kettenbahn in ein Hubgerüst gesteuert und einer Härtekammer zugeführt. Ein weiterer Mann bringt die zu Paketen verpackten gehärteten Steine auf kleinen Rollwägelchen auf den Platz. Dort steht ein dritter Mann, der mit einem Gabelstapler die Pakete übereinander zu einem Turm setzt, von wo sie verladen werden können.

Archäologie

Für die archäologische Forschung war dieses Jahrzehnt ein ganz besonderes. Zuerst wurde im Sommer 1968 in Feldkirchen-Gönnersdorf ein außergewöhnlich spektakulärer Fund in der Lößschicht unter dem Bims gemacht: eine Siedlung aus der Altsteinzeit. Bereits mehrere Jahrtausende vor dem Ausbruch Laacher-See-Vulkans lebten hier Menschen, wohntenin Zelten aus Tierfellen und gingen auf die Jagd. Die vorzügliche Konservierung durch die meterdicke Bimsschicht hielt diese eiszeitlichen Funde 15.00 Jahre lang intakt. Bereits 1883 war eine vergleichbare Siedlung, ebenfalls durch den Bims konserviert, genau auf der gegenüberliegenden Rheinseite in Andernach-Martinsberg entdeckt worden. Beide wurden von denselben Menschen bewohnt, nomadisierende Jäger, die zu der Zeit noch mühelos den Rhein überqueren konnten. Diese außergewöhnlichen Funde aus der Zeit des sogenannten „Magdalénien“ sorgten europaweit für Aufsehen. Ohne die schützende Bimsschicht wären diese Siedlungsplätze durch die Bodenerosion längst zerstört worden.

Durch diese ungewöhnlichen Funde, die ein öffentliches Interesse hervorriefen, erhielt die archäologische Forschung einen höheren Stellenwert. Dies mit dazu beigetragen haben, dass das Land Rheinland-Pfalz 1978 ein Denkmalschutzgesetz erließ, das den Bodendenkmälern erstmals einen gebührenden Schutz garantierte.

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